Wenn Bohnen zur Herzenssache werden
Es gibt Gerichte, die kommen einfach immer wieder auf den Tisch, egal wie oft man sie schon gekocht hat. Bei uns sind das die grünen Bohnen. Vielleicht liegt es daran, dass Holger sie jede Woche frisch vom Großmarkt mitbringt, oder daran, dass Bohnen einfach so wandelbar sind. Man kann sie scharf anbraten, mild schmoren, mit Fleisch oder ganz ohne, und trotzdem schmeckt jedes Mal alles anders. Diesmal wollten wir bewusst weg von den bekannten Pfaden. Kein scharfes Asiatisch, kein griechisch Geschmortes, sondern etwas, das man vielleicht noch nicht so oft auf dem Teller hatte.
Eine Reise in die türkische Küche
Gelandet sind wir bei einem türkischen Klassiker, der dort in unzähligen Küchen gekocht wird, mal mit Rind, mal mit Lamm, mal ganz ohne Fleisch. Es ist ein echtes Familiengericht, nichts Aufwendiges oder Kompliziertes, sondern genau die Art von Essen, die nach Feierabend auf dem Tisch landet, weil sie satt macht und trotzdem nicht schwer im Magen liegt. Wir haben uns für Rindfleischstreifen entschieden, weil sie dem Gericht eine schöne Tiefe geben, ohne die Bohnen in den Hintergrund zu drängen. Am Ende ist es genau die Art von Essen, die zusammenbringt, herzhaft, unkompliziert und ehrlich gekocht, ohne großen Schnickschnack.
Warum uns das so gut schmeckt
Vielleicht ist es auch einfach das Gefühl dahinter. Ein Topf, der eine Weile vor sich hin köchelt, während man selbst noch was anderes erledigt, und am Ende steht ein Essen auf dem Tisch, das nach mehr Arbeit aussieht, als es eigentlich war. Genau das lieben wir an Bohnengerichten wie diesem, sie brauchen ein bisschen Geduld, aber nicht viel Aufwand, und am Ende schmeckt man jede Minute, die man sich Zeit gelassen hat.
Zutaten:
- 500 g grüne Bohnen
- 3 Frühlingszwiebeln
- 2 Tomaten
- 2 Knoblauchzehen
- 300 g Rindfleischstreifen
- 1 EL Tomatenmark
- 2 EL Olivenöl
- 200 ml Wasser oder Brühe
- Salz
- Pfeffer
Zubereitung:
Zuerst kommen die Rindfleischstreifen scharf in den Topf. Das ist wichtig, denn nur bei hoher Hitze entsteht diese leicht karamellisierte Kruste, die später der ganzen Sauce ihren Geschmack gibt. Wird das Fleisch zu früh mit Flüssigkeit übergossen, kocht es nur und bleibt fad. Deshalb nehmen wir es nach dem Anbraten auch erstmal wieder raus, damit es nicht zäh wird, während der Rest vorbereitet wird.
Im selben Topf, im Bratfett vom Fleisch, dünsten wir dann den weißen Teil der Frühlingszwiebeln zusammen mit dem Knoblauch an. Klassische Zwiebeln haben wir nicht benutzt, das geht mit Frühlingszwiebeln erstaunlich gut, nur eben etwas milder im Geschmack. Das Tomatenmark kommt kurz mit rein und darf ruhig ein bisschen dunkler werden, das nennt man Röstaroma, und genau das gibt der Sauce später ihre Würze und Farbe.
Jetzt kommen die grünen Bohnen und die gewürfelten Tomaten dazu, das Fleisch wandert zurück in den Topf, und alles wird mit Wasser oder Brühe abgelöscht. Ganz wichtig an dieser Stelle: die Bohnen müssen richtig durchgaren. Roh enthalten sie einen Stoff namens Phasin, der Übelkeit auslösen kann, und der wird erst durch längeres Kochen zerstört. Deshalb kommt der Deckel drauf, und das Ganze darf bei mittlerer Hitze 20 bis 30 Minuten vor sich hin schmoren, bis die Bohnen richtig weich sind. Das ist bei diesem Gericht auch gewollt, hier soll nichts bissfest bleiben.
Zum Schluss streuen wir den grünen Teil der Frühlingszwiebeln frisch darüber. Roh bringen sie nochmal Frische und Farbe rein, gekocht würden sie ihre Knackigkeit verlieren. Dazu passt Reis oder einfach ein Stück Brot zum Tunken.